Aus dem Nest gefallen
Jedes Jahr im Frühsommer
gelangen wieder tausende scheinbar eltern- und hilflose Jungvögel in
die Obhut mitleidiger Tierfreunde.
Solch gut gemeintes Bemühen richtet jedoch oft mehr Schaden als Nutzen
an: In den meisten Fällen sind solche "Rettungsaktionen" gar
nicht nötig, da die vermeintlich elternlosen Tiere auch am Boden weiter
von ihren Eltern versorgt werden. Es handelt sich dabei meist um fast flügge
Jungvögel, die selbstständig das Nest verlassen haben. Dies muss
ihnen gar nicht einmal zum Verhängnis werden, im Gegenteil: indem sich
die Jungtiere über das Umfeld verteilen, ist die Gefahr für jedes
Einzelne, von Feinden entdeckt zu werden, wesentlich geringer als zusammen
im Nest. Im halbhohen Geäst oder auf dem Boden sitzend, rufen die "Nestflüchter"
mit Bettellauten nach ihren Eltern, die Sie auch außerhalb des Nestes
weiter versorgen.
Nur wenn dem Findling unmittelbare Gefahr droht, zum Beispiel wenn er an einer
Straße sitzt, sollte man eingreifen, indem man den Jungvogel an einem
geschützten Ort, in der Nähe der Fundstelle setzt.
Übrigens können auch sehr junge Tiere bedenkenlos wieder ins Nest
gesetzt werden, da sich Vögel, im Gegensatz zu Säugetieren, kaum
über den Geruchssinn orientieren und die Jungen wieder annehmen.
Nur in seltenen
Fällen sind die Jungvögel tatsächlich verlassen.
Wenn man sich allerdings dazu entscheidet, das Tier selbst aufzunehmen, muss
man sich bewusst sein, dass es nur selten gelingt, Jungvogel von Hand aufzuziehen
und auf ein Leben in der freien Natur vorzubereiten. Die Überlebenschancen
eines in menschlicher Obhut aufwachsenden Jungvogels sind in der Regel recht
gering.
Hier einige Tipps:
Mittels einer Pipette kann dem Jungvogel Flüssigkeit eingeflößt werden.
Als Nahrung gibt man z. B. Hackfleisch, Maden, Insekten, Fliegen o. ä.